Letzte Aktualisierung: 25.04.2012

 

 

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 „Speziesismus […] ist ein Vorurteil oder eine Haltung der Voreingenommenheit zugunsten

der Interessen der Mitglieder der eigenen Spezies und

gegen die Interessen der Mitglieder anderer Spezies.“

Peter Singer (nach Wikipedia)

 

 

 

 

 

 

 

 

Earthlings

 

 

 

 

 

Unser Problem im Umgang mit nichtmenschlichen Tieren und mit unserer Umwelt ist die "Abstraktion". In unserer arbeitsteiligen Welt haben wir die Erkenntnis verloren, dass das "Fleisch", das wir essen von lebendigen Tieren stammt. Mit dem Leben dieser Tiere, mit ihrem Leiden und ihrem Tod haben wir kaum noch Berührungspunkte. Vielfach wissen wir überhaupt nichts mehr über die tierischen Bestandteile unserer Nahrung.

 

Töten als eine Frage der "Vernunft"

 

Es sei hier einmal ganz deutlich darauf hingewiesen, dass Speziesismus nicht eine Weltanschauung, eine Philosophie oder dergl. ist. Speziesismus ist nicht eine treibende Kraft in der Entwicklung der menschlichen Kultur. Aber in dem Mass, in dem sich der Mensch von seiner Natur und von der Natur überhaupt entfernt und entfremdet hat, ist die Betrachtungsweise der Natur durch den Menschen speziesistisch geworden. Speziesistische Betrachtungsweisen finden sich in der Deutung der Natur und der Tiere zunehmend mit der Entwicklung des Kapitalismus. Da Speziesismus also nur ein -zugegebenermassen wichtiger- Aspekt in der Sichtweise der Menschen geworden ist, ist auch die Bestrebung zur Überwindung des Speziesismus, der Antispeziesimus keine Weltanschauung sondern nur ein Aspekt des Strebens nach einer freien Gesellschaft. Eine freie Gesellschaft - frei von Rassismus, Sexismus, Speziesismus, Kapitalismus.

 

Eine ganz grundsätzliche Betrachtung des Speziesismus als Erscheinung in herrschenden Ideologien:

Der Speziesismus und seine Verflochtenheit mit herrschenden Ideologien von Susann Witt-Stahl. Der Artikel zeigt auf, wie der Titel es a bereits verspricht, wie sehr der Speziesimus die herrschenden Ideologien durchdringt und wie sehr die herrschenden Ideologien auf Speziesismus fundiert sind.

 

Das Mensch-Tier-Verhältnis in der kritischen Theorie Adornos und Horkheimers . Dieser Text findet sich (in abgewandelter, erweiterter?) Form auch in dem Buch "Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen" und legt in eindrucksvoller Weise dar, wie die kritische Theorie auch die Unterdrückung und Beherrschung der Tiere als gesellschaftliche Verhältnisse analysierte, die durch den Kapitalismus und die Verwertungslogik bestimmt sind.

Ebenfalls sehr lesenswert: 

Die Frankfurter Schule: Solidarität mit den quälbaren Körpern von Susanne Witt-Stahl

 

Birgit Mütherich beschrieb in ihrem sehr grundlegenden Artikel "Die soziale Konstruktion des Anderen – zur soziologischen Frage nach dem Tier" auf welche Weise die Konstruktion des Begriffs "das Tier" als etwas grundsätzlich von "dem Menschen" unterschiedenen zu Distanzierung und Gewaltrechtfertigung führt. Dabei distanziert sich "der Mensch" von "dem Tier" als das Gegenteil, als Negation der eigenen Definition. Der Mensch definiert sich als Negation des gänzlich anderen - des Tiers.

 

"Menschen unterscheiden sich – das ist wörtlich zu nehmen: sich anders machen – von den anderen Tieren dank ihrer Geschichte. Die Geschichte ist nichts anderes als die Erschaffung und Bearbeitung dieser Verschiedenheit. Auf der einen Seite ist dieser Unterschied real, weil wir uns und unsere Umwelt durch die Arbeit tatsächlich verändern. Auf der anderen Seite aber bleibt er illusorisch, weil wir immer noch Tiere sind, Teil der Natur, materielle Wesen. Der Geist, den wir schaffen, ist ein Betrug. Aber das beweist immer wieder unsere Einzigartigkeit: der Mensch ist das Tier, das vergisst, dass es ein Tier ist. Die Geschichte ist nicht der Raum des Erinnerns, sondern des Vergessens."

(Marco Maurizi, Die Zähmung des Menschen in „Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen“, S.118)



 

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat 2012 ein lesenswertes Heft "Mensch und Tier" herausgegeben. Das PDF ist frei herunterladbar oder man kann das Heft bei der BPB bestellen.

 

Sehr lesenswert und grundlegend und fesselnd und klar und deutlich und überaus empfehlenswert:

Innerhalb einer Kultur des Schlachthofes - Jenseits von Fleisch  von Günther Rogausch

 

Sehr schön und dringend nötig: "Die Macht der Sprache - richtige Wortwahl" von Albert Scheitzer-Stifung. Es ist wahr: wir benutzen dauernd speziesistische Redewendungen - auch darauf sollten wir ein Auge haben und schlimmer Fromulierungen und falsche Wörter aus unserem Sprachschatz verdammen. Interessant ist die Anregung, Leute nicht zu dem völlig fremden 'Veganismus' oder 'Vegetarismus' aufzufordern sondern zu einer "fleischfreien Ernährung" oder zum "tierproduktfreien" oder "tierleidfreien" Leben.... (siehe auch den Artikel "Choosing our words wisely".

 

 

Gott ist eine Behauptung, Menschenrechte sind real, Tierrechte sind real. Religionskritik bei rageandreason.de

 

Rezension: Tiere und andere Menschen bei Sopos: "Über die Kritik am Mensch-Tier-Verhältnis herrscht in der Öffentlichkeit meist Unklarheit. Mit "Human-Animal Studies – Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen" ist beim transcript Verlag Bielefeld ein Sammelband zu dieser Debatte erschienen, der bewusst Partei ergreift. Der Ausgangspunkt ist, dass Probleme erst durch das Beziehen eines Standpunktes in den Fokus rücken; die Kritik an der Menschenzentriertheit, dem Anthropozentrismus vergleicht der Arbeitskreis insofern mit dem Klassenkampf bei Marx und der feministischen Debatte. Speziesismus als Konstruktion der Ungleichheit zwischen "menschlichen und nichtmenschlichen Tieren" wird als Herrschaftskonstrukt wie Rassismus und Sexismus erörtert. Dabei führt die Einleitung in die Philosophiegeschichte des Mensch-Tier-Verhältnisses ein. Die Beiträge stehen der Tierbefreiung nahe, sind aber interdisziplinär."

Ich für meinen Teil muss zugeben, dass das Buch viele interessante Anregungen enthält. Wirklich begeistert hat es mich allerdings nicht und das liegt vor allem an der geschwurbelten Ausdrucksweise und am Soziologensprech. Ich verstehe einfach nicht, warum einige Leute es einfach nicht hinbekommen, klare und gute Gedankengänge auch so zu formulieren. Inflationäre Fremdwortbenutzung - auch da, wo es genauso zutreffende Wörter in der Alltagssprache gibt, machen zwar einen gelehrten Eindruck, verschlechtern aber die Lesbarkeit und Verständlichkeit eines Textes unnötig. Das ist natürlich kein inhaltliches Manko, aber ich ärgere mich doch bisweilen, wenn ich nach dem langsam lesen eines Satzes (um ihn besser verstehen zu können als im normalen Lesefluss) feststelle, dass die Aussage des Satzes eigentlich eine ganz einfache war.....





Frage: Wer hat das Recht am Foto, wenn ein Affe den Fotoapparat klaut und drauf los knippst?