Letzte Änderung: 16.03.2013

 

 

 

Auch unter 'Ratten' habe ich einen Text zum Thema 'Ratten und Tierversuche' eingestellt, den  ich mal für den Rattgeber des VdRD geschieben habe.

 

 

 

 

 

Es ist grotesk, wenn derselbe Versuch,
der seine Begründung in der Ähnlichkeit von Tier und Mensch hat,
mit der Verschiedenheit von Tier und Mensch
moralisch gerechtfertigt wird.

 

Tierversuche - was geht es uns an?

Jeder Rattenhalter erlebt immer wieder aufs Neue, welch komplexe Gefühlswelt, welche Furcht, Freude und Ängste und welch ausgeprägte Charaktere in unseren geliebten Tieren stecken.
Wir staunen über ihre Intelligenz, schmunzeln über ihre Beharrlichkeit und die Tricks, die unsere Freunde anwenden, um zu ihren Zielen zu kommen.
Wir empfinden tiefes Mitleid, wenn wir mit unseren Lieblingen beim Tierarzt sind und erleben, wie sie sich fürchten, wie sie leiden können an fiesen Erkrankungen, mit welcher Tapferkeit sie manches schwere Schicksal tragen.
Wir sind gerührt und geehrt, wenn sie uns gegenüber Vertrauen zeigen. Wenn wir unser Leben einen Moment von aussen betrachten, erkennen wir, wie reich beschenkt wir jeden Tag werden, den wir mit unseren kleinen Schützlingen verbringen dürfen.
Wir sind voll der Empathie, wenn wir ihr Leid und ihre Not miterleben müssen und wir freuen uns jeden Tag am sonnigen Gemüt der kleinen Lebenskünstler.
Wohl jede(r) von uns hat sich schon oft gefragt, was in ihren kleinen Köpfen und Herzen so vor sich gehen mag und  sicher genauso oft bewundern wir die Grossartigkeit dieser sozialen, geschickten, freundlichen und allzu oft unglaublich zutraulichen Tierchen. Wir locken sie und verwöhnen sie, wir ärgern uns, wenn sie uns gegenüber übermächtige Scheu zeigen oder wenn sie erschreckt vor uns die Flucht ergreifen. Dabei haben die kleinen Tiere allzu guten Grund sich vor uns Menschen zu fürchten.....
403490 Ratten wurden 2011 offiziell alleine in Deutschland in Tierversuchen gequält und getötet, davon wurden 90750 getötet, um an ihren Körpern und Organen zu experimentieren. 48180 Ratten wurden in toxikologischen (Giftigkeitsmessung-) Versuchen und Sicherheitsprüfungen als Messinstrumente missbraucht und alleine 16730 Ratten wurden zur Aus- und Weiterbildung sinnlos gequält und getötet.  Von den 48180 Ratten, die als Messinstrumente zur Giftigkeits- und Sicherheitsprüfung missbraucht wurden, wurden

  • 24817 für die Prüfung von Stoffen und Geräten für die Human-, Zahn- und Veterinärmedizin 'verwendet', 
  • 8943 für die Prüfung von Produkten und Stoffen für die Landwirtschaft, 
  • 13234 für Produkte und Stoffe, die vorwiegend in der Industrie Verwendung finden und
  • 135 für Produkte und Stoffe, die vorwiegend im Haushalt benutzt werden.
  • 1051 Ratten wurden in nicht näher spezifizierten Sicherheits und Giftigkeitsprüfungen gequält und getötet.

Alle Zahlen sind -sofern nicht anders gekennzeichnet- sind dem Tierversuchsbericht (2011-TierversuchszahlenGesamt)  des zuständigen Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz entnommen.

Ratten als Messinstrumente - Was taugen die Ergebnisse von Giftigkeitsversuchen an Tieren?

Es gibt seit Jahren die berechtigte Kritik daran, Tiere als Messinstrumente in der Toxikologie zu verwenden. Das Mass der Giftigkeit, zu deren Messung Tiere missbraucht werden, ist immer nur ein relatives Mass, das heisst: es kann immer nur in Bezug auf den Organismus der jeweiligen Tierart Geltung haben. Verschiedene chemische Verbindungen sind je nach Stoffwechsel für den  Organismus verschiedener Tierarten oft ganz verschieden giftig. Einfacher gesagt: Was für eine Ratte hochgiftig ist, braucht für einen Menschen nicht unbedingt giftig zu sein und anders herum.
Ein übliches Testverfahren in der Giftigkeitsprüfung ist der sogenannte LD50 Test, ein Test zur Ermittlung der tödlichen (letalen) Dosis eines Stofffes. Gemessen wird abhängig von der Aufnahme des Stoffes je nach zu ermittelnder Art der Giftigkeit (langfristige wiederholte Aufnahme mit der Nahrung, einmalige Aufnahme mit der Nahrung, einmalige Einspritzung unter die Haut, einmalige Einspritzung in den Blutkreislauf, Hautkontakt... u.dergl) ab welcher Dosierung eines Stoffs, die Hälfte einer Population der untersuchten Tierart an der Giftigkeit des Stoffs stirbt. Das Ergebnis dieses grausamen Tests wird dann in Gewicht des Stoffs pro Körpergewicht der missbrauchten Tierart angegeben, zusätzlich oft noch die Art der Einnahme. Das Ergebnis dieses Tests ist so tierart-spezifisch, dass immer zusätzlich angegen werden muss, auf welche Tierart sich der Wert bezieht. Man sieht also sofort,  dass das Ergebnis nur von extrem zweifelhaftem Wert ist, was nützt einem die Information welche Dosierung die Hälfte einer Rattenpopulation bei oraler Eingabe hat jämmerlich krepieren lassen? Wir sind keine grossen Ratten, unsere Lebensbedingungen und unser Stoffwechsel sind in vielen Details nicht direkt vergleichbar (»Wir sind keine 70 kg-Ratten«):

"Ein allgemeines, aber für die Aussage jedes Testes problematisches Phänomen ist die Tatsache, das Testergebnisse nicht nur Wirkungen erfassen, sondern auch nicht vorhandene Wirkungen als vorhanden anzeigen und echte Effekte übersehen. Nimmt man als Rechenbeispiel, wie Prof. Hartung dies im Artikel tut, nur die Fortpflanzungs- und Embryonenschädigung, die bei 5.500 Altchemikalien durchgeführt werden soll, liegt die Trefferquote nur bei 60%, im Gegensatz zu 40 % fälschlicherweise als giftig eingestuften Substanzen. 83 der 138 bekannt giftigen Substanzen werden so gefunden, aber 2.145 ungiftige Substanzen irrtümlich zu Gift erklärt. Bei der herkömmlichen Vorgehensweise wird nun in einer weiteren Tierart getestet. Von den 3.272 Chemikalien, die im ersten Test negativ waren, werden nun weitere 1.309 zum Gift erklärt. Gleichzeitig werden nur 33 von 55 giftigen Substanzen, die im ersten Test nicht erkannt wurden, erfasst. Insgesamt werden somit 116 von 138 echten Giften erkannt, und 3.454 ungiftige Substanzen zu Giften erklärt - ein eher zweifelhaftes Verhältnis." (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: »Wir sind keine 70 kg-Ratten«)



Wenn der Stoffwechsel verschiedener Tierarten und die Wirkung untersuchter Stoffe auf die verschiedenen Tierarten derartig verschieden ist, warum werden dann solche Giftigkeitsuntersuchungen durchgeführt? Wenn die Ergebnisse nur mit grösster Vorsicht überhaupt verwendet werden dürfen, weil der Schluss von Tierversuchsergebnis auf den Menschen oftmals nicht möglich ist, was bringen die Tierversuche dann? Ist es nicht sogar gefährlich, sich auf Tierversuchsergebnisse zu verlassen, wenn die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind? 

"In einer 1994 durchgeführten Studie wurden insgesamt 91 menschliche Vergiftungreaktionen, die durch die Einnahme von 64 bereits auf dem Markt befindlichen Arzneien auftraten, mit der Wirkung am Tier verglichen. Im Tierversuch konnten 39 der 91 (43 %) klinisch beobachteten Fälle toxischer Effekte im Tierversuch nicht bestätigt werden. Dabei wurde als positive Vorhersage bereits gewertet, wenn nur irgendein Tier eine dem Menschen vergleichbare Reaktion zeigte." (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: »Tiermodelle« können schädliche Wirkungen für den Menschen nicht vorhersagen)

Es gibt immer wieder deutliche Beispiele dafür, dass im Tierversuch Ergebnisse ermittlet wurden, die mit der Wirkung eines Stoffes auf den Menschen nicht vergleichbar sind, so ist gerade in jüngerer Zeit ein Bericht publiziert worden, der auf die gravierenden Unterschiede bei Entzündungsprozessen zwischen Maus und Mensch hinweist (Riesige Unterschiede zwischen Mensch und Maus).
Nicht nur die unmittelbaren Giftigkeitsversuche, die testen ab welcher Dosis eines Gifts die Hälfte einer Gruppe von Tieren krepiert, werden an Ratten durchgeführt, sondern darüber hinaus auch sogenannte Teratogenitätsversuche: In diesen Versuchen werden schwangere Tiere mit einem Stoff in Kontakt gebracht und entweder kurz vor oder nach der Geburt werden die Babies umgebracht, um zu untersuchen, ob der Stoff Erbschäden hervorgerufen hat (Teratogenitätsversuche sind wirklich grausam, jedem der einmal das grosse Glück hatte, Rattenbabies von der Geburt an heranwachsen sehen zu dürfen, schnürt sich bei dem Gedanken die Kehle zu....). Auch die Ergebnisse von Teratogenitätsversuchen sind oftmals komplett tierartspezifisch und die Ergebnisse sind vielfach nicht übertragbar: 

"Aspirin führt bei den Nachkommen von Ratten, Mäusen, Katzen, Hunden, Meerschweinchen und Affen zu Missbildungen, wird aber für schwangere Frauen als relativ sicher angesehen."(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche:Wissenschaftliche Argumente gegen Tierversuche)


Ein sehr bekanntes Beispiel einer vollkommen verschiedenen Wirkung eines Stoffs auf verschiedene Tierarten ist 'Thaliumdomid', der Wirkstoff des Arzneimittels 'Contergan'. Obwohl damals auch umfangreiche Tierversuche für diesen Wirktstoff durchgeführt wurden, gab es keine Anzeichen einer erbschädigenden Wirkung des Wirkstoffs bei Nagetieren. Es kann also sehr gefährlich sein, wenn man sich auf die irreführende scheinbare Ungiftigkeit eines Stoffs verlässt, nur weil im Tierversuch keine Giftigkeit nachgewiesen wurde.

"Durchaus vermögen Tierversuche Nebenwirkungen von neuen Wirkstoffen aufzudecken, allerdings nicht die gleichen wie beim Menschen. So zitieren die Autoren eine Untersuchung, in der Ergebnisse aus Tierstudien zu sechs Medikamenten mit bekannten Humandaten verglichen wurden. Bei den Tieren traten 48 Nebenwirkungen auf, die nicht beim Menschen vorkamen. Dagegen traten 20 Nebenwirkungen beim Menschen auf, die beim Tier nicht entdeckt worden waren."(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: Tierversuche können Reaktionen des Menschen nicht vorhersagen)


Aber die Festlegung auf Tierversuche kann auch in umgekehrter Richtung ein gefährlicher Irrtum sein, wenn nämlich Erkenntnisse über die Giftigkeit von Stoffen, die man am Menschen gewonnen hat, ignoriert werden, nur weil sich kein tierexperimenteller Nachweis erbringen lässt:

"Wenn Wissenschaftler klinische Ergebnisse, die am Menschen gewonnen wurden, zugunsten von tierexperimentellen Testergebnissen vernachlässigen, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Ein wichtiges Beispiel sind die schädlichen Wirkungen des Rauchens. Die Entdeckung, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht, wurde durch Untersuchungen an menschlichen Bevölkerungsgruppen erreicht und ist möglicherweise einer der wichtigsten Beiträge der letzten Jahrzehnte für die Gesundheitspolitik. Jedoch warfen erfolglose Versuche, Lungenkrebs bei Labortieren hervorzurufen, indem diese zum Einatmen von Tabakrauch gezwungen wurden, Zweifel auf die Humanstudien und verzögerten gesundheitliche Warnungen jahrelang, was Tausenden von Menschen das Leben kostete. (10)
Die Erkenntnis, dass exzessiver Alkoholkonsum zu Leberzirrhose führt, wurde angezweifelt, weil sich vergleichbare Effekte bei den meisten untersuchten Versuchstieren nicht nachweisen ließen. (11) Nur in Pavianen ließ sich Leberzirrhose hervorrufen, obwohl auch dies nicht von allen Tierexperimentatoren bestätigt wurde. Zu viel Alkohol kann an der Entstehung von Krebs beteiligt sein, aber sogar diese fundierte klinische Tatsache wurde angezweifelt, weil es unmöglich erschien, mit Alkohol Krebs bei Labortieren hervorzurufen. Einige Wissenschaftler beharren darauf, Alkohol als nicht krebserregend für den Menschen einzustufen, weil der experimentelle Beweis dafür fehlt."
(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: Wissenschaftliche Argumente gegen Tierversuche)

Überhaupt ist gerade die Krebsforschung und auch die Untersuchung der Karzinogenität von Stoffen (Krebsaulösefähigkeit) ein Feld, auf dem die tierexperimentelle Forschung regelmässig komplett versagt:

"Nagetiere und Menschen reagieren auf chemische Substanzen oft vollkommen unterschiedlich. Mitunter sind Tiere sehr viel empfindlicher gegenüber krebsauslösenden Substanzen, manchmal ist es aber auch umgekehrt: 19 von 20 Testsubstanzen, die beim Menschen als sicher galten, riefen bei Nagern Krebs hervor (19). Aber von 19 bekannten krebserregenden Stoffen des Menschen, erwiesen sich nur 7 als krebserregend bei Nagern (20). Selbst die nah miteinander verwandten Ratten und Mäuse zeigen unterschiedliche Reaktionen. In einer Studie wurden die krebserregenden Eigenschaften von Stoffen bei Ratten und Mäusen verglichen. 46% der getesteten Substanzen waren karzinogen bei Ratten, aber nicht bei Mäusen (21). In einer anderen Studie gab es bei 30% von 214 getesteten Stoffen Unterschiede zwischen Ratten und Mäusen zu verzeichnen (22). Und noch ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Der künstliche Süßstoff Saccharin ruft bei männlichen Ratten Blasenkrebs hervor, nicht aber bei weiblichen Ratten, Mäusen, Hamstern, Affen und Menschen (7)."(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: Krebs und Tierversuche - keine Erfolgsstory)

Toxikologische Tierversuche an Ratten in Zahlen (2011):

  • 1818  - LD50
  • 2545  - sonstige zum Tod führende Methoden
  • 15606 - Methoden ohne Todesfolge mit klinischer Vergiftungssymptomatik
  • 560  - Hautreizung 
  • 5848  - subchronische oder chronische Toxizität
  • 1880  - Kanzerogenität
  • 2546  - S-Toxizität
  • 2930  - Mutagenität
  • 6778  - Reproduktionstoxizität
  • 7669  - sonstige , nicht näher aufgeschlüsselte Versuche

Vergessen wir niemals, dass sich hinter diesen Zahlen Individuen verbergen: Lebewesen, denen Leid zugefügt wurde. Ratten, die unter Schmerzen und Leid krepiert sind. Tiere, die vergiftet wurden, die gequält wurden, Mütter, die mitsamt ihrer Babies ermordet wurden, um als Messgeräte zu dienen....
Und vergessen wir ebenfalls nicht - auch wenn hier nur von Ratten die Rede ist, dass über 2 Millionen Mäuse jährlich in Deutschland in Tierversuchen zu Tode gequält werden. Insgesamt waren es alleine in Deutschland im Jahr 2011 fast 3 Millionen Tiere, die für Tierversuche missbraucht wurden.

REACH

Im Juni 2007 trat die EU Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authoristation and Restriction of CHemicals – Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien) in Kraft, die neben den Zulassungs- und Bewertungsverfahren von neuen Chemikalien auch die vereinheitlichte Neubewertung von bereits im Handel befindlichen Chemikalien regelt. Tierversuchsgegner befürchten, dass im Rahmen von REACH Millionen von Tieren in grausamen Toxizitätsversuchen ihre Gesundheit und ihr Leben lassen müssen:

Ratten in der Erforschung menschlicher Krankheiten

2011 wurden allein in Deutschland 210514 Ratten für die Erforschung von Krankheiten 'verwendet', davon

  • 36683 zur Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Menschen
  • 61127 zur Erforschung von Störungen des menschlichen Nervensystems
  • 14446 zur Erforschung menschlicher Krebserkrankungen
  • 20581 zur Erforschung von menschlichen Stoffwechselerkrangungen,
  • 6327 zur Erforschung von menschlichen Infektionserkrankungen,
  • 4735 zur Erforschung von menschlichen Immunsystemerkrankungen,
  • 64559 zur Erforschung sonstiger menschlicher Krankheiten und 
  • 2056 zur Erforschung von Tierkrankheiten.

Zur Erforschung menschlicher Krankheiten an Tieren, werden sogenannte Tiermodelle geschaffen, ein Begriff der wegen seiner vorgeblichen kalten Sachlichkeit an Zynismus kaum zu überbieten ist, denn ein Tier bleibt immer ein Tier und damit ein Lebewesen und der Versuch, es durch die Wortwahl  »Tiermodell« zu verdinglichen, ist abstossend und widerlich. Als Tiermodell bezeichnet man das künstliche Erzeugen eines Krankheitsbildes in einem Tier,  das diese Erkrankung normalerweise gar nicht hätte. Das Krankheitsbild soll möglichst der zu untersuchenden menschlichen Krankheit ähneln. Bei der Erzeugung von künstlichen Schlaganfällen, künstlichen Herzinfarkten, künstlichen Nervenschädigungen, künstlichen Allergien, künstlichen Krebserkrankungen bspw. durch Einbringen menschlicher Tumorzellen in den Tierkörper, sind den widerwärtigsten Phantasien der Forscher kaum Grenzen gesetzt. Inwieweit dann die Heilung der künstlich erzeugten Krankheit irgend etwas mit der tatsächlichen Krankheit beim Menschen zu tun hat, steht auf einem ganz und gar anderen Blatt:

"So waren bereits rund 100 Impfstoffe gegen HIV im »Tiermodell« wirksam, jedoch keiner davon beim Menschen. Selbst wenn morgen auf der Basis von Tierversuchen ein wirksamer Impfstoff gegen HIV gefunden werden würde, so wäre das »Tiermodell« dennoch gescheitert, da der Vorhersagewert bei etwa 0,01 liegen würde. Gleiches gilt für Rückenmarksverletzungen, bei denen 22 Wirkstoffe im Tierversuch einen therapeutischen Effekt zeigten, nicht aber beim Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus in führenden Fachjournalen erschienenen Studien tierexperimenteller Grundlagenforschung ein neues Medikament entsteht, liegt bei 0,004 Prozent."(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche:  Tierversuche können Reaktionen des Menschen nicht vorhersagen).

Welche absurden und grausamen Tiermodelle in der humanmedizinischen Forschung Verwendung finden, kann man in regelmässigen Abständen in der Tagespresse nachlesen oder in der Tierversuchsdatenbank (Die Datenbank über Tierversuche) nachschlagen. An Tieren werden alle nur erdenklichen Dinge ausprobiert, vieles davon ist so offensichtlich absurd, dass man sich wirklich fragen muss, wer auf solche Ideen überhaupt kommt. So ist beispielsweise ein Tiermodell für Depression, Ratten ohne Möglichkeit des Heraussteigens in einem Wasserbecken schwimmen zu lassen, die Tiere, die sich schliesslich treiben lassen und die Hoffnung auf Rettung aufgegeben haben, gelten als depressiv. An dieser Stelle kann ich nur die ehrliche Warnung aussprechen: Einen einfühlsamen Menschen kann die Suche in der Datenbank in tiefste Niedergeschlagenheit treiben. Die Versuchsbeschreibungen zu lesen, kann eine ernsthafte Gefährdung des psychischen Gleichgewichts mit sich bringen. 

"Viele Erkrankungen haben ihre Ursache im Versagen der Abwehrfunktionen und der Regenerationskräfte des Organismus. Beide können aber am »Tiermodell« nicht simuliert werden, da das ursprünglich gesunde Tier für seine Heilung eine ganz andere Ausgangslage hat als ein kranker Mensch. Weil außerdem im Experiment die vielschichtigen Erkrankungsursachen auf eine einzige reduziert werden, erlaubt es auch unter diesem Gesichtspunkt keine übertragbaren Rückschlüsse auf den Menschen. (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: Der Tierversuch in der Humanmedizin)

Neben der teils offensichtlichen Fragwürdigkeit der einzelnen »Tiermodelle« sind es oft auch die Haltungsbedingungen, die die Tierversuchsergebnisse beeinträchtigen:

"Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Laborratten an ihre Nahrung kommen. Entweder sie werden „ad libitum“ gefüttert, also nach ihrem eigenen Belieben. Dabei haben sie jederzeit Zugang zu ihrem Futter, egal ob am Tag oder in der Nacht. Oder aber die Ratten bekommen von den jeweiligen Forschern nur in einem bestimmten Zeitraum am Tag ihr Fressen. Wie zu erwarten, wiegen diejenigen, die immer futtern konnten, deutlich mehr als normal, zeigte die Auswertung. Sie haben überhöhte Blutfettwerte, Herzschäden, einen zu hohen Cholesterinspiegel oder sogar Krebs. Diese Funktionsschäden führen dazu, dass die Tiere anders auf die zu testenden Medikamente reagieren als ihre schlankeren Artgenossen. Dieses unterschiedliche Fütterungsverhalten ist demnach vermutlich der Grund für die vielen widersprüchlichen Studienergebnisse, die es in den letzten Jahren in der Krebsforschung und bei Toxizitätstests gab. (Quelle: Bild der Wissenschaft:Übergewichtsepidemie: Selbst Laborratten sind zu dick)

Ob in der Krebsforschung (Krebs und Tierversuche - keine Erfolgsstory), der Diabetesforschung (Der Tierversuch in der Diabetes-Forschung - genauer betrachtet!), der AIDS-Forschung (AIDS-Forschung auf dem Irrweg), der Alzheimer- und Demenzforschung (Alzheimer - trotz endloser Tierversuche keine Heilung in Sicht), der Erforschung von Herz- und Kreislauferkrankungen (Tierexperimente in der Kardiologie), die »Tiermodelle« sind oft so unzureichend ähnlich zu der menschlichen Erkrankung, die Ursachen werden ausser Acht gelassen, s.d. kaum ein Schliessen auf die menschliche Erkrankung möglich ist:

"Bei Experimenten dieser Art geht man nach dem üblichen Schema vor: Da das Tier weder zu Kettenrauchen, noch zu Alkoholgenuss, Stress bei vorwiegend sitzender Tätigkeit, völlig falscher Ernährung etc. neigt, werden die beim Menschen beobachteten Krankheitssymptome durch chemische oder mechanische Schädigung hervorgerufen. Seit vielen Jahren wird mit diesen und ähnlichen »Modellen« die Wirkung potentieller Medikamente erprobt. Hunde unterschiedlicher Rassen, Schweine, Ratten und Mäuse werden in großer Zahl für kardiologische Experimente »geopfert«. Die Tiere leben dabei je nach Experiment oft wochenlang mit schmerzhaftesten Herzrhythmusstörungen, Atemnot und Todesangst, wenn nicht noch zusätzlich Infektionen, Pneumothorax (Luft im Brustkorb), Kreislaufversagen und anderen Komplikationen auftreten. Das größte Hindernis für eine Übertragung der tierexperimentellen Ergebnisse auf den Menschen liegt in dem Problem, dass zwar am Herzen des Tieres eine der menschlichen Erkrankung ähnliche Lokalsituation geschaffen wird, es sich aber ansonsten um ein gesundes Gefäß-, Kreislauf- und Organsystem handelt. Somit sind kaum Resultate zu erhalten, die für den kranken Menschen verwertbar sind. In jedem Fall lässt sich das Ausmaß der Übertragbarkeit und Verwendbarkeit der Ergebnisse erst retrospektiv feststellen, wenn die gleichen Versuche am erkrankten Patienten gemacht wurden. Entsprechend zeigen die Verzeichnisse der Fachpublikationen der letzten Jahre, dass tierexperimentelle Studien im Bereich der Kardiologie erheblich an Bedeutung verloren haben."(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche:Tierexperimente in der Kardiologie)

Immer wieder wird von der Tierversuche befürwortenden Seite argumentiert, ein wissenschaftlicher Fortschritt sei ohne tierexperimentelle Forschung nicht denkbar. Wo ist der Beweis, dass Tierversuche Menschen zugute kommen?. Es gibt im Gegenteil Untersuchungen darüber, wie einige als erfolgreich eingestufte tierexperimentelle Arbeiten die Forschung beeinflusstg haben:   Nach 10 Jahren keine Umsetzung in der Humanmedizin nachweisbar.
Eine von der Universität of Waterloo in Kanada durchgeführte Literaturstudie hat die Zitierhäufigkeit von 594 tierexperimentellen Arbeiten über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass 94% der Arbeiten weniger als 10 mal zitiert wurden, also von der Fachwelt als mehr oder weniger irrelevant betrachtet werden (Quelle: Ärzte gegen Tierversuche:Von der Fachwelt als unwichtig erachtet).

Kosmetik

Seit dem 11.03.2013 sind Tierversuche für Kosmetika in der EU endlich Geschichte. Weder dürfen Kosmetika hergestellt werden, noch in der EU vertrieben werden, wenn für die Kosmetikprodukte Tierversuche druchgeführt wurden. Doch machen wir uns nichts vor: Für viele Chemikalien, die auch aber nicht ausschliesslich in Kosmetika Verwendung finden, werden nach wie vor Tierversuche durchgeführt. Und auch medizinische Produkte, die als Arzneimittel gehandelt werden aber für kosmetische Zwecke Verwendung finden, sind von dem Verbot ausgenommen. Wer wirklich ein Zeichen setzen will und auf Tierversuchsfreiheit wert legt, sollte sich aujch trotz des EU-Tierversuchsverbots für Kosmetika an den Positivlisten orientieren und keine Firmen unterstützen, die Tierversuche durchführen oder durchführen lassen.

"Die Industrie ist nun gezwungen, auf vorhandene Inhaltsstoffe bzw. tierversuchsfreie Testmethoden umzusteigen. Damit sind theoretisch gesehen alle neuen Shampoos, Lippenstifte und Haarsprays tierversuchfrei. Wozu braucht es dann noch die Positivlisten?
  • Die Kosmetikkonzerne können nach wie vor Tierversuche durchführen für Inhaltsstoffe und Produkte, die sie nicht in die EU einführen. In manchen Ländern wie China sind Tierversuche sogar verpflichtend vorgeschrieben. Solange es kein weltweites Verbot von Kosmetik-Tierversuchen gibt, werden weiterhin Tierversuche durchgeführt.
  • Es gibt innerhalb der EU Unstimmigkeiten, was unter »Kosmetikinhaltsstoffen« zu verstehen ist. So fallen Rohstoffe, die auch anderweitig als im Kosmetikbereich eingesetzt werden unter »Chemikalien« und können als solche auch an Tieren getestet werden.
  • Das Verkaufsverbot muss von den einzelnen EU-Staaten durchgesetzt und kontrolliert werden. Manche Länder haben möglicherweise nicht das Wissen und die Mittel, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Tierqualkosmetik kann so weiterhin in unsere Läden gelangen.
  • Firmen, die seit Jahren auf eine tierversuchsfreie Politik setzen, sollten belohnt und nicht denen gleichgestellt werden, die erst durch ein gesetzliches Verbot auf Tierversuche verzichten. Das Vermarktungsverbot gilt außerdem nur für zukünftige Tierversuche, d.h. an den allermeisten Produkten klebt nach wie vor Blut.
(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche: Warum Positivlisten?)

Positivlisten finden sich z.B. hier:

  • www.gocrueltyfree.org  Die mit dem internationalen Siegel Humane Cosmetic Standard (HSC) ausgezeichneten Firmen wurden von Mitgliedsorganisationen der ECEAE oder der amerikanischen CCIC kontrolliert und als tierversuchsfrei anerkannt.
  • Die auf der Positivliste des Deutschen Tierschutzbunds genannten Herstellerfirmen erfüllen die Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes, d.h. dass keine Tierversuche für die Entwicklung und Herstellung der Endprodukte durchgeführt werden und dass keine Rohstoffe verarbeitet werden, die nach dem 1.1.1979 im Tierversuch getestet wurden: http://www.tierschutzbund.de/00754.html
  • Das sicherste Zeichen ist immer noch die Vegan-Blume. Die Vegan-Blume garantiert, dass das Produkt nicht nur tierversuchsfrei ist, sondern auch, dass das Produkt keine tierlichen Inhaltsstoffe enthält.

Aus- und Weiterbildung

Eine weitere schreckliche Zahl im Tierversuchsbericht ist die Zahl von 16730 Ratten (67730 Tiere insgesamt), die nur zu Zwecken der Aus- und Weiterbildung gequält und getötet wurden. Diese enorm grosse Zahl von Tieren ist für Versuche geopfert worden, die nur der Aus- und Weiterbildung dienten. Alleine diese Zahl verdeutlicht sehr klar, wie gering das Tier geschätzt wird. Wollte man tatsächlich die Zahl der Tierversuche reduzieren, böte sich hier allemal ein Angriffspunkt. Fast die gesamte Zahl der Tiere, die nur für die Aus- und Weiterbildung getötet werden, könnte vermieden werden, ohne auf irgendwelche Erkenntnisse zu verzichten.

Verlässlichkeit der Zahlen

Wie verlässlich die Zahlen des BMELV zum Versuchstierverbrauch sind, ist mir nicht bekannt. Allerdings muss man von einer hohen Anzahl nicht erfasster Tiere ausgehen:

  • Versuchstiere werden extra für Ihr Leiden als Versuchstier gezüchtet. Auf einem Versuchstier-Markt gibt es Angebot und Nachfrage wie für jede andere im Kapitalismus gehandelte Ware auch. Ziel der Anbieter wird immer sein, die Nachfrage befriedigen zu können. Man muss also von einer gewissen Überproduktion ausgehen, weil ja auch die benötigte Anzahl weiblicher und männlicher Tiere nur gewährleistet werden kann, wenn genug Tiere beiderlei Geschlechts vorhanden sind. Wie hoch die Zahl überproduzierter und dann entsorgter Tiere ist (z.B. als Futtertiere an Zoos abgegeben, oder im Fall transgener Tiere einfach umgebracht und entsorgt) , konnte ich bisher nirgendwo in Erfahrung bringen.
  • Insbesondere in den Reproduktions-Toxizitäts-Tests (oder Teratogenitätstests) werden die teils vor der Geburt, teils direkt nach der Geburt ermordeten Babies mit Sicherheit nicht erfasst, da sie ja zum Zeitpunkt der Versuchsbeantragung unbekannt sind. M.E. ist die Zahl  von 6778 Ratten, die für Teratogenitätstests missbraucht werden um den Faktor einer durchschnittlichen Wurfgrösse zu klein - selbst wenn man davon ausgeht, dass ein Teil der 6778 Tiere Böcke sind. 
  •  Mir ist nicht bekannt, mit wievielen Ersatztieren ein Labor rechnet, wenn ein Versuch angemeldet wird. Auch Labortiere können an unbeabsichtigten Krankheiten erkranken und damit für einen Versuch ausfallen und müssen dann ersetzt werden.

Die Zahlen des BMELV beziehen sich m.W. auf die Anträge für Tierversuche - wieviele Versuche in der Realität mit einer vom Antrag abweichenden Anzahl Tiere durchgeführt werden, kann nirgendwo in Erfahrung gebracht werden. Auch wieviele Tiere in Laboren gehalten werden, entsorgt werden, die nicht direkt in Versuchen missbraucht werden, wird von den Versuchstierzahlen nicht erfasst. Auch hier ist m.E. von einer beträchtlichen Zahl auszugehen.

Tiere sind keine Messinstrumente!

"Und gewiss trifft ein Mensch im Vollbesitz seiner Kräfte mehr und flexiblere Entscheidungen als eine Ratte – aber wenn die Empfindungen beider so ähnlich sind, dass man die eine Spezies zum Wohle der Anderen qualvollen Versuchen unterzieht, muss man sie dann nicht auch moralisch annähernd gleich gewichten? Es ist widersinnig, bei Laborratten Gefühle wie Depressionen, Angst, Stress zu provozieren, um an ihnen entsprechende Psychopharmaka zu testen – im selben Atemzug aber zu behaupten, dass diese Angst, dieser Stress und diese Depressionen, kurz: das gesamte Innenleben der Ratte verglichen mit dem des Menschen nicht ins Gewicht falle."(Hilal Sezgin - Dürfen wir Tiere für unsere Zwecke nutzen?, "Mensch und Tier", BPB, 2012)

Wir Rattenhalter dürfen zu all dem nicht schweigen. Wir erleben tagtäglich, was für intelligente, sensible und  soziale Lebewesen Ratten sind. Machen wir ein Ende damit, Tiere als »Tiermodelle« für menschliche Krankheiten zu betrachten oder als Messinstrumente für fragwürdige Giftigkeitsmasse mit äusserst beschränkter Gültigkeit zu missbrauchen.
Fast 3 Millionen Tiere wurden im Jahr für Tierversuche missbraucht, gequält, getötet. Seit Jahren behauptet die Politik, auf eine Begrenzung der Tierversuche hinzuarbeiten - die Tierversuchszahlen sind Jahr für Jahr gestiegen: Albert Schweitzer-Stiftung: Tierversuchszahlen zum siebten Mal in Folge gestiegen.
Hinter den beschämend grossen Zahlen von Teirversuchstieren, die jedes Jahr sinnloserweise gequält und getötet werden, stecken Millionen von Individuen. Es sind Tiere, die gerne gelebt hätten. Denen ein Recht auf ein Leben ohne Leid und Qual verwehrt worden ist. Deren Leben für weniger Wert befunden wurde als ein paar zweifelhafte Tierversuchsergebnisse.