Letzte Aktualisierung: 16.03.2013

 

 

 

Weitere Texte und Informationen zum Thema 'Tierversuche' und 'Ratten und Tierversuche' habe ich unter '(Anti-)Speziesismus->Tierversuche' und unter '(Anti-)Speziesismus->Tierversuche->Ratten und Tierversuche' eingestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ratten und Tierversuche

 

Ich muss zugeben, ich beschäftige mich höchst ungern mit den Details von Tierversuchen. Immer wieder kommen mir die Bilder vor Augen von leidenden Tieren, aber auch von Tieren, die für Tierversuche vorgesehen sind und von ihrem Schicksal noch nichts ahnen, während der Versuch und sein tödlicher Ausgang bereits bis in das letzte Detail durchgeplant ist. Arglose, gesunde, leicht verängstigte Tiere, für die das Leben in den nächsten Stunden, Tagen, Wochen zur Hölle werden wird. Diese Gedanken quälen mich, sie rauben mir den Schlaf, wenn ich so unvorsichtig bin, vor dem Einschlafen daran zu denken. Aber es ist die Realität. In Deutschland werden jedes Jahr über 500.000 Ratten in Tierversuchen 'verbraucht'.

Die Zahl der Tiere, die in Tierversuchen 'verbraucht' werden, ist seit 2003 in Deutschland kontinuierlich gestiegen, auf fast 3.000.000 Tiere im Jahr 2010, für Ratten sehen die Zahlen seit 2000 folgendermassen aus:

 

Rats (Rattus norvegicus) (Quelle: Tierversuchsbericht 2010 BMELV)
2000          486.432
2001          512.393
2002          519.575
2003          501.228
2004          493.885
2005          571.257
2006          548.450
2007          497.359
2008          484.990
2009          514.722
2010          442.448

 

Im Jahr 2010 wurden 55.704 Ratten in toxikologischen Tests verheizt – hier sind z.B. die unsäglichen LD50 Tests zu erwähnen, eine Messwert der angibt, ab welcher Dosis Gift, die Hälfte einer Population verreckt. 266.976 wurden für die 'Erforschung' von Krankheiten, 48.695 für die Erprobung und Qualitätskontrolle von medizinischen Geräten umgebracht. Tiere als Messinstrumente als Testobjekte zum Ausprobieren von Gerät, zur Ermittlung eines Giftigkeitsmasses, dass letztlich nur wirklich Sinn mit dem Bezug auf die betroffene Art ergibt. Giftigkeit für eine Ratte ist nicht unbedingt auch Giftigkeit für den Menschen, deswegen werden LD50 Werte oft an einer ganzen Reihe von Tierarten ermittelt, an Ratten, Hunden, Katzen, Mäusen, Hühnern, usw. usf.


Zu 'wissenschaftlichen Zwecken' getötet wurden 73.725; 34.927 wurden unter Betäubung ohne Wiedererwachen gekillt, 289.199 in 'Tierversuchen, ohne Betäubung oder unter Betäubung mit Wiedererwachen aus dieser Betäubung', 14.681 bei Aus- und Fortbildung, 2.359 weil man deren Organe verwenden wollte.

Bei 50.281 war der Versuchsgrund 'biologische Grundlagenforschung, bei 168.365 ging es um Medizintechnik, bei 54.843 war Toxikologie der angegebene Grund, 209 wurden zur Überprüfung von Schädlingsbekämpfungsmitteln 'verwendet'.


6.596 Ratten waren transgen, d.h. genmanipuliert.


Bei aller Widersprüchlichkeit und Ungenauigkeit der Angaben, sind diese Zahlen Zahlen des Schreckens. Tierversuchstiere sind eine Ware. Genau wie bei der Produktion anderer Waren auch, kann man sich ohne Weiteres vorstellen, was mit Überproduktion geschieht, wenn es keinen Abnehmer gibt. Diese Überproduktion wird gerne kostengünstig als Futterspende in Zoos entsorgt. Auch bei der 'Herstellung' transgener Tiere dürfte es zu einigem Ausschuss kommen. Die grossen Anbieter von Tierversuchstieren bieten auf Nachfrage auch operativ vorbereitete Tiere mit bspw. Magensonden u.dergl. an.

Wie dann die Versuche im Einzelnen aussehen, kann man in der Tierversuchsdatenbank www.datenbank-tierversuche.de nachlesen. Dort kann man gefiltert z.B. nach Tierart oder nach Institut lesen, was für Tierversuche 'im Dienst der Wissenschaft' unternommen werden. Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen ergab die Suche nach Tierart 'Ratte' 1531 Dokumente seit 1995 (dem frühesten Datum in der Datenbank).
 
Hinter jeder Zahl, hinter jeder Versuchsbeschreibung steckt individuelles Leid. Das Leid von Tieren, die uns so lieb sind, dass wir einen grossen Teil unserer Zeit mit einigen ausgewählten Vertretern ihrer Art verbringen. Tieren, die uns so lieb sind, dass wir mit ihnen wegen kleiner Wehwehchen zum Tierarzt hasten, für die wir bereit sind, viel Geld in Behausung, Verpflegung und Versorgung zu investieren und deren Verlust uns oft im Innersten trifft. Gleichzeitig lassen wir zu, dass jedes Jahr rund eine halbe Million dieser Tiere gequält und ermordet werden, allzu oft um fragwürdige Ergebnisse zu erzielen. Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind allzu oft nicht auf Menschen übertragbar – ich warte in Zeitungsartikeln über bahnbrechende Erkenntnisse in Tierversuchen immer schon auf den abschliessenden Satz des Artikels: „Inwieweit die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen sind, ist noch offen.“ oder „Der Forschungsleiter betont, dass die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen werden können.“ oder eine ähnliche Formulierung.

Eine halbe Million Ratten wird jedes Jahr für eine Forschung geopfert, die das einzelne Leben nicht achtet, die in Tieren nur Material sieht, an dem nach Belieben geforscht und experimentiert werden darf. Gerechtfertigt wird auch der grausamste Versuch allzu oft mit der 'Freiheit der Forschung'.

Seit 10 Jahren steht der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz. Den Tierversuchstieren hat das nicht wirklich geholfen.