Letzte Aktualisierung: 31.03.2012

 

 

 

Die tödliche Rechnung

Laut FAOStat wurden in Deutschland im Jahr 2009 410kg Antikoagulantien verbraucht. Das hört sich erstmal erstaunlich wenig an. Deswegen rechnen wir mal ein wenig herum.

 

Antikoagulantien sind höchstgiftige Wirkstoffe. Schauen wir uns zunächst den LD50 Wert für Ratten für die gebräuchlichsten Wirkstoffe an. LD50 ist die lethale Dosis für die Hälfte einer genügend gross gewählten Kontrollgruppe. D.h. man zwingt bspw. 100 Ratten eine Dosis x eines Giftes zu essen. Wenn die Dosis x so gewählt ist, dass die Hälfte der Tiere daran jämmerlich krepiert, dann nennt man die Dosis x den LD50 Wert des Wirkstoffes. Natürlich wird der LD50 Wert für Wirkstoffe auch noch an einer Reihe anderer Tierarten festgelegt. Um so einen Messwert ermitteln zu können, muss man also ggf. eine ordentliche Anzahl von Tieren der verschiedensten Arten krepieren lassen. Wenn man das im ganz, ganz grossen Rahmen macht, dann nennt sich das Ganze REACH, dient angeblich der späteren Reduzierung dann unnötiger Tierversuche und kostet erstmal Millionen Tiere nicht nur das Leben, sondern bedeutet schwerstes Leid für eben diese Millionen von Tieren.

Doch zurück zu rechnerischen Betrachtung. Laut Vetpharm/CliniTox/Clinipharm gelten die folgenden Dosen als LD50:

  • Brodifacoum 0.16-0.4    mg/kg
  • Bromadiolon 0.59-1.13  mg/kg
  • Difenacoum  1.8           mg/kg
  • Difethialon    0.56         mg/kg
  • Flocoumafen 0.25         mg/kg

Wir können relativ sehr sicher davon ausgehen, dass die doppelte Menge der lethalen Dosis eine Ratte zuverlässig killt. Wenn wir also den grob abgeschätzten Mittelwert der lethalen Dosis der 5 Gifte grosszügig mit 1mg/kg Körpergewicht annehmen und davon ausgehen, dass eine durchschnittliche Wildratte 1/3 kg wiegt (diese Annahme geht von ziemlich gut genährten Ratten aus), dann können wir davon ausgehen, dass bei  2mg/kg und 0.333g Rattengewicht ca. 0.666mg pro Ratte reicht, um diese zuverlässig umzubringen.

 

Nun sind 410kg = 410000g = 410000000mg , also 410000000mg/0.666mg=615615615.62, d.h. genug Gift, um 615 Millionen 615 Tausend und 615 Ratten jährlich zu vergiften.

 

Allerdings wurden laut FAOStat neben den 410kg Antikoagulantien 2009 noch weitere 174130kg 'sonstige' Nagergifte verbraucht. 

 

 

Ich möchte an dieser Stelle noch eine zweite Rechnung des Todes durchführen:

die übliche Konzentration der Wirkstoffe in den Fertigködern, wie sie bei eBay, Amazon, in den Baumärkten und anderen 'Fach'verkaufsstellen vertrieben werden beträgt:

 

0.005% bei Difenacoum und Brodifacoum, Bromadiolon
0.0025% Difethialon

 

also 0.05g/kg b.z.w. 0.025g/kg Köder.

 

Daraus folgt: 410kg = 410000g,   410000g/0.05g (Dosis pro kg Köder) = 8200000.

 

D.h. 410kg Wirkstoff reichen für mindestens 8200000 kg Köder, das sind 8200 Tonnen Köder (wobei wir ja mit 0.05g/kg die höhere Konzentration für die Rechnung gewählt haben).

 

 

Ich hatte eigentlich vor, mit brauchbarer Quellenangabe eine Schätzung hier zu veröffentlichen, wieviele Ratten es in Deutschland, in Europa und auf der Welt eigentlich gibt. Es stellte sich aber heraus, dass das so gut wie unmöglich sein dürfte. Abgesehen mal davon, dass es weltweit mindestens 60 bekannte Rattenarten gibt (Wikipedia: "Ratten") und dass wir in Deutschland synonym von "Rattus norvegicus" als "Ratte" sprechen, obwohl in anderen Teilen der Welt "Rattus rattus" deutlich verbreiteter ist, gibt es sogar für Deutschland nur sehr ungenaue Schätzungen, die irgendwo zwischen 100 und 400 Millionen Ratten liegen.

Ich denke, man kann von ungefähr 100-200 Millionen ausgehen, das sind jedenfalls die Zahlen, die am häufigsten genannt werden. Von dieser Zahl kann man aber aufgrund der völlig verschiedenen klimatischen und ökonomischen und ökologischen Bedingungen unmöglich auf die Erde hochschätzen. Maximal eine ungefähre Schätzung für Europa oder Nordamerika wäre m.E. zulässig.