Letzte Aktualisierung: 28.06.2012

 

 

 

Rattengift (längerer Text -- too long; didn't read :) )

Vielen Menschen sind Ratten derartig verhasst, dass sie ohne zu zögern alles nur Erdenkliche unternehmen wuerden, um die Tiere loszuwerden, zu töten, zu erschlagen und zu vergiften.

 

Ratten können durchaus beträchtlichen Schaden anrichten, da sie überall herumnagen, teils um Dinge auf ihre Essbarkeit zu überprüfen, teils um sich Zugang zu verschaffen an Orte, an die sie sonst nicht gelangen würden. Und Ratten stehen im schlimmen Ruf, gefährliche Krankheiten zu verbreiten. Durch ihren Kot, ihren Speichel und ihren Urin können befallene Ratten u.A. Leptospirose (durch Leptospiren), Trichinose (durch Trichinen), Bandwürmer, Salmonellen, Fleckfieber, Amöbenruhr, Tuberkulose und Hantaviren übertragen. Natürlich kann man sich einige dieser unerfreulichen Erkrankungen auch auf alternative Weisen zuziehen – z.B. durch die geliebte Hauskatze oder einen Hund, aber sowie Ratten in Menschennähe auftauchen, werden sie in aller Regel nach allen Regeln der Kunst bekämpft.

 

Viele Menschen haben vergessen, dass es zunächst einige erfolgreiche Strategien zur Problemvermeidung oder zumindest -verminderung gibt. Zunächst einmal sollte man die Wege, auf denen die Ratten ins Haus gelangen können, ausfindig machen und versperren. Eventuell gelangen Ratten durch ein stillgelegtes Rohr ins Haus, durch offenstehende Kellerfenster oder -türen oder haben sich ganz einfach einen Zugang durch marodes Mauerwerk verschaffen können. Solange Ratten ungehindert ins Haus und wieder hinaus gelangen können, braucht man sich nicht zu wundern, wenn sie diese Möglichkeiten nutzen.

Als nächstes sollte überprüft werden, welche Ernährungsmöglichkeiten man Ratten auf einem 'goldenen Tablett' darbietet. Müll sollte in einer verschlossenen Tonne gesammelt werden, Essensreste nicht auf den Kompost oder in die Kanalisation geworfen werden. Offen angebotenes Katzen-, Hunde- oder Vogelstreufutter wird natürlich auch von Ratten gerne verzehrt. Wer in Rattenreichweite offen Lebensmittelvorräte lagert, bietet sie ihnen regelrecht an. Solange dieses Angebot weiter besteht, ist es unsinnig, Ratten bekämpfen zu wollen, da man ihnen ja auf der anderen Seite immer noch Grund fuer eine Ansiedelung bietet.

 

Wenn man die oben genannten Vermeidungsstrategien sorgfältig befolgt hat, aber immer noch Probleme mit einer unerwünschten Rattenpopulation hat, dann helfen eventuell auch ganz einfache Hausmittel:

  • „Das beste Mittel gegen Ratten sind angeblich Hauskatzen, die sich aufgrund ihres angeborenen Jagdinstinkts sofort auf die Pirsch machen.

  • Terpentin soll angeblich gegen Ratten helfen. Dazu werden Lappen in Terpentin getränkt und in die Öffnungen von Rattenbauten gedrückt. Cayennepfeffer, das im Bereich der Laufwege gestreut wird, soll ebenfalls Ratten vertreiben helfen, da der Putzreflex der Ratten dafür sorgt, dass der Pfeffer über das Fell aufgenommen wird.

  • Ein Kalkanstrich im Keller soll ebenfalls gegen Ratten helfen. Dazu wird dem Kalk Eisenvitriol beigefügt.

  • Kamille, Minze und Pfefferminz (auch als Öl) sollen Ratten vertreiben bzw. fernhalten helfen. Dasselbe wird Chilischoten, Gewürznelken und Oleanderblättern nachgesagt.

  • Benutztes Katzenstreu soll angeblich gegen Ratten helfen. Dazu wird das Katzenstreu über einen Stoffbeutel, aus dem die Geruchsmoleküle entweichen können, in der Nähe der Laufwege und Nester von Ratten platziert.“

Interessanterweise stammt das obige Zitat ausgerechnet von der Seite eines grossen Schädlingsbekämpfers – Rentokil (Quelle:http://www.Rentokil.de)

 

Wenn alle diese Mittel auch nicht weiter helfen, kann man natürlich zur Schlagfalle greifen. Ratten sid allerdings – wie jeder von uns weiss – sehr intellgente Tiere. Deswegen wird man einer grösseren Rattenpopulation mit Schlagfallen nicht Herr werden. Zu schnell begreifen die kleinen Nager in der Regel, dass von den Fallen ein Gefahr ausgeht und machen dann eher einen Bogen um die Geräte. Daher wird dann oft Gift ausgelegt.

Modernes Rattengift basiert heutzutage in der Regel auf Cumarin oder verwandten Stoffen: Warfarin (nicht mehr gebräuchlich), Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Flocoumafen, Difethialon.

Cumarin und Cumarin-Derivate haben eine Strukturáhnlichkeit zu Vitamin K. Vitamin K wird in der Leber zur Produktion von Blutgerinnungsfaktoren benötigt. Durch die strukturelle Ähnlichkeit können sich Cumarine im Körper statt des Vitamins an die entsprechenden Enzyme heften und dadurch die Produktion der Blutgerinnungsfaktoren be- und verhindern, indem sie die Verbindung der Blutgerinnungsfaktoren mit dem für die Blutgerinnung unerlässlichen Calcium unmöglich machen. Die Blutgerinnungsfaktoren können sich nun nicht mehr an Wundränder anlagern – die Folgen sind Leberschäden und Verblutung, nachdem die noch im Blut zirkulierenden Blutgerinnungsfaktoren aufgebraucht sind. Der Tod durch innere Verblutung und Lebeschaden tritt stark verzögert ein und ist für das betroffene Lebewesen qualvoll. Einzig wirkliche Gegenmittel sind je nach Cumarin-Derivat verschiedene K-Vitamine, zusammenfassend oft als Vitamin K bezeichnet.

Da Cumarine oral aufgenommen bei entsprechender Dosierung auch für Menschen stark giftig (zumindest aber „gesundheitsschädlich“) sind (Ratte LD50 293mg/kg) werden sie als Rodentizid in der Regel nur als vorgefertigte Frassköder vertrieben mit Wachs versetzt oder als vergiftete Getreideköder u.dergl. Cumarine können aber auch über die Haut aufgenommen werden. Cumarine können – über einen längeren Zeitraum aufgenommen – teratogene Wirkung haben, d.h. bei Schwangeren die 'Leibesfrucht' durch Erbveränderungen schädigen.

Wer Rattengift einsetzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass der Einsatz bei den Tieren zu einem qualvollen Tod führt. Je nach Vergiftung kann das Leiden Stunden oder Tage andauern, bis das Tier endlich stirbt. Und auch nach dem grausamen Tod des Tieres ist das Vergiften hochproblematisch. Vergiftete Tiere können von anderen Tieren gefressen werden, welche sich dann ebenfalls vergiften. Diese Gefahr besteht nicht nur für Hunde, Katzen, Schweine, Vögel und andere Fleisch- und ggf. Aasfresser. Wenn vergiftete Ratten z.B. in ein Silo gelangen können und dort verenden, dann kann durch die Kadaver die Silage (oder das Heu...) versuecht werden und Kühe, Pferde und dergl. können durch die Aufnahme vergifteten Heus oder Silage an Botulismus verenden.

Daher darf Rattengift eigentlich nur in geschlossenen Gebäuden verwendet werden, s.d. garantiert werden kann, dass die vergifteten Tiere nicht ins Freie gelangen können. Ausserdem darf Rattengift nicht offen zugänglich ausgelegt werden, damit nicht eine ganze Reihe anderer Vögel und Kleintiere (z.B. Eichhörnchen) vergiftet werden, denen der Mordanschlag eigentlich gar nicht gelten sollte. Rattengift sollte aus diesem Grund – wenn überhaupt, dann – nur in speziellen Köderboxen ausgeleg werden, die es für andere Kleintiere unerreichbar macht.

Das deutsche Tierschutzgesetz sagt eigentlich in unmissverständlicher Klarheit:

„§3 Es ist verboten:
...
10. einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder
Schäden bereitet“

und

㤠4
(1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung oder sonst, soweit nach den gegebenen
Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung
eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen weidgerechter Ausübung der Jagd oder
auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger
Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei
nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer
die dazu notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.“

Trotzdem kann man in vielen Baumärkten, in diversen Internet-Shops und auch bei eBay Rattengift ohne jede Sachkenntnis und ohne Mengenbegrenzung kaufen. Die allerwenigsten Menschen, die diese grausame „Schädlingsbekämpfung“ anwenden, machen sich ein klares Bild über die Tragweite und Auswirkungen ihres Tuns.

 

Zumindest eBay hat eigentlich in den Grundsätzen stehen, dass der Verkauf giftiger Chemikalien bei eBay nicht erlaubt ist. Daher kann man jedes Angebot von Rattengift als Verstoss gegen diesen Grundsatz melden:


1) im Angebot auf Melden klicken (rechts unter dem eigentlichen Angebot). Dies öffnet die Meldungsseite:
2) In "Kategorie melden" "Verbotene und fragwürdige Artikel" auswaehlen
3) In "Grund für Meldung" "Gefahrstoffe" auswählen
4) In "ausführliche Begründung" "Pestizide und Gifte" wählen
5) "Weiter" anklicken, dann geht unten ein extra Bereich auf, in dem die ausgewählte Artikelnummer angezeigt wird
6) Meldung abschicken
7) Fertig.
Ich würde mich sehr freuen, wenn viele Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen würden.

Es mag Situationen geben, in denen man einer Rattenplage auf andere Weise nicht Herr werden kann. Es kann auch sein, dass evtl. nur ein professioneller Schädlingsbekämpfer eine Rattenpopulation bekämpfen kann, aber der gedankenlose und grausame Einsatz von Rattengift durch Menschen ohne jede Sachkenntnis sollte ein Ende finden.