Letzte Aktualisierung: 07.10.2013

 

 

 

Ein unscheinbares Wort für eine so bedeutende Veränderung: Als Risiko Minderungs-Massnahmen (RMM) hat das Umwelt Bundesamt ein 'Positionspapier' erstellt, dass sehr weitreichende Regulierungen in der Anwendung von Antikoagulantien fordert (Positionspapier des UBA [leider nicht mehr beim UBA online verfügbar. Hier gibt es aber eine Reihe von UBA Veröffentlichungen zum Thema Rodentizide] - Das Positionspapier ist überaus interessant. Wobei 'Positionspapier' nicht so recht passt, denn das, was das UBA dort 'vorschlägt' ist wegen der Regelungen der Biozid-Richtlinie verbindlich). So soll ab 2013 ein Sachkundenachweis erforderlich sein, um Antikoagulantien anwenden zu dürfen. Kurz gesagt ist die Konsequenz daraus, dass der Laie damit keine Antikoagulantien mehr erwerben und einsetzen darf. Diese Änderungen sind in der Schädlingsbekämpfer-Branche gelinde gesagt sehr umstritten. Aus meiner Sicht wird damit - wenn auch aus einer ganz anderen Motivation, nämlich nicht aus Tierschutzgründen, sondern wegen der hohen Gefährlichkeit der verwendeten Stoffe - ein grundsätzlich begrüssenswerter Schritt getan. Nicht mehr jeder Volldepp kann einfach so Rattengift in rauhen Mengen kaufen und nach Belieben ungeschützt auslegen. Auch zum sogenannten Monitoring, d.h. zum Beobachten von möglichen Populationen darf Gift nicht mehr einfach so eingesetzt werden.

 

Der Kern des RMM-Positionspapiers:

"Im Rahmen der Zulassung von Biozid-Produkten wurden für die Verwendung von Ratten- und Mäusebekämpfungsmitteln mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen (Antikoagulanzien, s. Tabelle 1) erhebliche Umweltrisiken und Risiken der Resistenzentwicklung festgestellt. Dabei stellt insbesondere die Gefahr der Primär- und Sekundärvergiftung von Nichtzieltieren ein großes Risiko dar. Vor allem Greifvögel, aber auch andere Nicht-Zieltiere, die entweder bereits vergiftete Nager oder direkt den Giftköder fressen, sind aufgrund der hohen Toxizität der in den Produkten enthaltenen Wirkstoffe stark gefährdet. Zudem weisen die z.T. als persistent (P), bioakkumulierend (B) und toxisch (T) eingestuften (PBT-)Stoffe aufgrund dieser Eigenschaften eine lange Verweildauer in der Umwelt auf und können sich in Lebewesen anreichern und somit Schädigungen verursachen.
Daher werden in Deutschland Auflagen und Anwendungsbestimmungen für diese Biozid-Produkte festgelegt.

Diese sogenannten Risikominderungsmaßnahmen (RMM) beinhalten für Antikoagulanzien der 2. Generation (second-generation anticoagulant rodenticides, SGARs) zur Bekämpfung von Ratten und Mäusen im Innen- und Außenbereich im Wesentlichen die Beschränkung der Anwenderkategorie auf sachkundige Anwender (Schädlingsbekämpfer) und berufsmäßige Anwender mit einem Sachkundenachweis. Für private und berufsmäßige Anwender ohne Sachkunde werden diese Produkte in Zukunft nicht mehr im Handel erhältlich sein."

Teil 2 - der Anhang I - des Positionspapiers schreibt detailiert vor, wie eine 'gute fachliche Anwendung' von Frassködern auszusehen hat. Hier wird vor Allem auch grosser Wert auf ds Monitoring gelegt. D.h. es geht nicht mehr einfach: "Gift auslegen und gut is", sondern es wird festgelegt, dass eine Bestandsabschätzung durch Monitoring, d.h. Einschätzung der Population und der Populations-Entwicklung während der Bekämpfung stattzufinden hat. Dadurch soll ebenfalls der übermässige Einsatz von Antikoagulantien unterbunden werden, sowie mögliche Resistenzbildung rechtzeitig erkannt werden und entsprechend auf andere Massnahmen umgewechselt werden.

 

Die grosse Hoffnung ist, dass durch diese RMM wirklich weit weniger Antikoagulantien kompetenter eingesetzt werden und dadurch Tierleid (sowohl was die Zieltiere betrifft, aber auch kleine Jäger und unbeteiligte Dritte, wie Igel, Frösche, Fische....) vermieden wird und weniger der hochgiftigen Chemikalien in die Umwelt gelangen.

 

Professionelle 'Schädlingsbekämpfer' haben meines Wissens keine einheitliche Sichtweise zu dem Thema: Einige sehen natürlich zum Einen eine Geschäftsbelebung voraus, befürchten aber auch, der "Lage gar nicht Herr werden zu können", da nach ihrer Einschätzung derzeit ein wesentlicher Teil der 'Schädlingsbekämpfung' durch Privatpersonen erledigt wird. Die zu erwartende übliche Panikmache, die uns alle an Seuchen sterben sieht, hält sich aber sehr in Grenzen, denn dass ein ungeregelter Einsatz von Rattengift auf Dauer auch nicht mehr so weitergehen kann, ist auch den meisten Schädlingsbekämpfern klar. Es ist wohl davon auszugehen, dass sich den allermeisten Profis, die Frage nach Schmerzen, die die Ratten durch Antikoagulantien erleiden müssen, gar nicht so stellt, da sie den Beteuerungen der Hersteller, die Ratten stürben einen schmerzfreien Tod, Glauben schenken - oder da sie über diese Frage nicht vertieft nachgedacht haben. Tatsächlich sind die Hauptargumente für die Risiko Minderungs-Massnahmen ja die Vermeidung von Resistenzen und die Gifitgkeit der verwendeten Antikoagulantien - Tierschutzaspekte stehen bei der Argumentation des UBA nicht im Vordergrund. Ich bin sehr gespannt, ob diese Diskussion noch mehr Öffentlichkeit bekommen wird....

 

 

 

BAuA: Biozide: Wirkstoffe: Fristen:

UBA: Rodentizide-FAQ (RMM)

 

 



Artikel zum Thema RMM


 

 

Rattengift – die Risiko Minimierungs Massnahmen des Umwelt Bundes Amts.

 

Seit Anfang 2013 gelten die Risiko Minimierungs Massnahmen, die das Umwelt-BundesAmt (UBA) für den Einsatz von Rattengift beschlossen hat. Die RMM ( haben Gesetzeswirkung und schreiben vor Allem vor, dass Rattengift nicht mehr durch Personen angewandt werden darf, die ihre Sachkunde nicht durch einen Sachkundenachweis belegen können.

Nagerbekämpfungsmitteln sogenannten Rodentiziden, werden immer nur befristete Zulassungen erteilt – im Regelfall 10 Jahre. Die RMM werden durchgesetzt indem bei den anstehenden Neu- und Wiederzulassungen der Rodentizide neue Massstäbe abgelegt werden. Im Rahmen von REACH ( Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, trat EU-weit 2007 in Kraft) und der seit 2003 geltenden Biozid Richtlinie (98/8/EG)– werden auch die Biozide neu bewertet. Bisher waren fast alle Biozide staatlicherseits ungeprüft auf dem Markt erhältlich. Durch die Biozid Richtlinie wurde ein Zulassungsverfahren definiert, das die Überprüfung und Risikobewertung für Biozide festschreibt. Während die Biozid Richtlinie in der gesamten EU gilt, ist die Zulassung von Bioziden national. In Deutschland ist die Zulassungsstelle für Biozide die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitgsmedizin (BauA).

Wenn keine unzumutbaren Risiken für Umwelt und Gesundheit durch einen Wirkstoff ermittelt werden, wird er in den Anhang I der Biozid Richtlinie aufgenommen. Wirkstoffe, die nicht in den Anhhang I aufgenommen werden, verlieren ihre Zulassung und dürfen in der EU nicht mehr vermarktet werden. In den Anhang I wurden die Rodentizide, um die es in diesem Artikel geht, bei der Einführung der Biozid Richtlinie aufgenommen. Diese Zulassung endet also 2013 bzw. 2014 und die Rodentizide müssen erneut ein Zulassungsverfahren durchlaufen.

 

Von welchen Giften ist eigentlich die Rede?

 

Wenn von Rattengift die Rede ist, dann ist im Normalfall ein Wirkstoff aus einer Wirkstoffgruppe gemein,den sogenannten Cumarin-Derivaten, also Abwandlungen des natürlich vorkommenden Pflanzenwirkstoffs Cumarin [9]. Diese Antikoagulantien werden im Körper wegen ihrer Ähnlichkeit zu Vitamin K statt dieses für die Blutgerinnung wesentlichen Vitamins in die die Blutgerinnungsfaktoren eingebunden und machen diese dadurch wirkungslos. Dadurch wird die Blutgerinnung be- bzw. verhindert und bei ausreichend hoher Konzentration kommt es zu innerer und äusserer Verblutung des aufnehmenden Lebewesens. Dieser Prozess der Blutgerinnungshemmung setzt erst deutlich verzögert nach der Aufnahme der Antikoagulantien ein (das Wirkmaximum ist je nach Wirkstoff erst nach Tagen erreicht), weil die Blutgerinnungsfaktoren in der Leber gebildet werden und erst nach und nach die Cumarine statt des Vitamins eingebunden werden [1]. Dadurch erreicht man den erwünschten Effekt, dass die betrofffenen Tiere die Aufnahme des Köders nicht ursächlich mit den Vergiftungserscheinungen in Verbindung bringen und so nicht lernen, die Köder zu meiden.

Die Cumarine sind hochgiftige, sehr problematische Wirkstoffe [12]. Laut FAO (FOOD AND AGRICULTURE ORGANIZATION OF THE UNITED NATIONS ) Statistik wurden in Deutschland in den Jahren 2008-2010 jeweils nur rund 400-410 kg Cumarine [2] für die Schädlingsbekämpfung verwendet, was daran liegt, dass diese Wirkstoffe nur in extrem niedrigen Konzentrationen von 0.005% bis 0.0025% in den Giftködern zum Einsatz kommen. Die tödliche Dosis für eine Ratte liegt je nach Wirkstoff unter 1 mg.
Aber natürlich sind die Cumarine [9] nicht nur für Ratten und Mäuse giftig, sondern sie sind auch für alle anderen Lebewesen extrem giftig. Aus diesem Grund durften auch bisher die Wirkstoffe nicht unverarbeitet vertrieben werden, sondern sind im Handel nur in Köderform erhältlich, in denen die Wirkstoffe nur in recht niedriger Konzentration enthalten sein dürfen.

Gebräuchlich sind derzeit die Cumarine (auch bezeichnet als Antikoagulantien der 2.ten Generation) Difethialon, Difenacoum, Brodifacoum, Bromadiolon, Flocoumafen. Weniger gebräuchlich, aber ebenfalls von den RMM betroffen sind die Antikoagulatinen der sogenannten 1.ten Generation: Warfarin (ein 'veraltetes Antikoagulanz' der ersten Generation), Coumatetralyl und Chlorphacinon. Während die Wirkstoffe der ersten Generation oftmals mehrfach aufgenommen werden müssen, um eine tödliche Wirkung zu zeigen (es wird insbesondere bei Warfarin auch von Resistenzbildung berichtet), reicht bei den Wirkstoffen der zweiten Generation oftmals eine einfache Aufnahme, um diese Wirkung zu erzielen [3]. Auf der anderen Seite sind aber die Wirkstoffe der 2ten Generation schlechter abbaubar und lagern sich in Lebewesen an, weswegen ihr Einsatz als riskanter bewertet wird. Die Biozid Richtlinie verwendet die Klassifikation Toxisch (T), Bio-akkuumlierend (sich im Körper anlagernd) oder sehr Bioakkumulierend (B/vB) und Persistent (P), das heisst schlecht abbaubar in der Umwelt. Einige der Antikoagulantien der 2.ten Generation sind als PvBvT-Stoffe klassifiziert, gelten also als hochproblematisch. Alle gelten sowieso als PBT-Stoffe [3] und stehen im Verdacht, teratogen zu sein, d.h. sie “können das Kind im Mutterleib schädigen” [12].

Laut Vetpharm/CliniTox/Clinipharm [1] gelten die folgenden Dosen als LD50 Ratte (das ist die Menge die pro Tier aufgenommen werden muss um die Hälfte der Population jämmerlich krepieren zu lassen):

  • Brodifacoum 0.16-0.4    mg/kg

  • Bromadiolon 0.59-1.13  mg/kg

  • Difenacoum  1.8           mg/kg

  • Difethialon    0.56         mg/kg

  • Flocoumafen 0.25         mg/kg

 

Als erste Wirkstoffe wurden Difethianol und Difenacoum erneut zugelassen. Die Zulassung für Biozid-Produkte (also Ködern mit Difethianol und Difenacoum) ist an den Sachkundenachweis gebunden worden, für Bromadiolon wird das Zulassungsverfahren im Juli 2013, für Flocoumafenn im Oktober und für Brodifacoum und Warfarin am 31.01.2014 abgeschlossen sein [4]. Die Biozid Richtlinie hat die Zulassungsdauer für Antikoagulantien der 2ten Generation abweichend von der üblichen 10 Jahresdauer auf 5 Jahre festgesetzt [3].

 

Der Einsatz von Antikoagulantien in der Nagetierbekämpfung bringt das Risiko der Freisetzung der Gifte in die Umwelt mit sich. Als Freisetzung wird es bezeichnet, wenn die Wirkstoffe in andere Lebewesen als die Zielorganismen gelangen können und sich dort anreichern können. So stellt die Sekundärvergiftung von Greifvögeln und kleinen Beutejägern wie Füchsen, Marder, Wiesel durch das Erbeuten vergifteter Nagetiere ein hohes Risiko dar. Ebenfalls ein hohes Risiko ist, dass die Wirkstoffe aus den Ködern in Gewässer gelangen können, insbesondere auf Fische wirken die Cumarine sehr giftig. Hierdurch können sich diese PBT-Stoffe auch in der Nahrungskette bis zum Mensch verbreiten [3,7].

Ein weiteres nicht unerhebliches Risiko von Gifteinsatz überhaupt – gerade in der Landwirtschaft – ist die Gefahr des Botulismus. Wenn vergiftete Nager in Silage oder Heu geraten, kann ein kompletter 'Nutzvieh'-Bestand durch Botulismus gefährdet werden.

 

Die RMM

 

Die RMM zielen darauf ab, die Risiken:

  • Freisetzung der Wirkstoffe in die Umwelt

  • Sekundärvergiftung durch Erbeuten von vergifteten Nagern

  • Vergiftung von Nichtziel-Organismen (Vergiftung z.T. geschützten nicht als Schädlinge betrachteter Tiere, die die Köder genauso als Futter wahrnehmen) wie Eichhörnchen, Spitzmäuse, Igel... [7]

  • unbeabsichtigte Vergiftung von Menschen durch unsachgemässe Handhabung der Biozid Produkte

zu minimieren.

Deswegen dürfen Rodentizide auf Antikoagulantien-Basis nur noch von sachkundigen Personen eingesetzt werden. Der Sachkundenachweis kann durch Schulung oder im Rahmen der Berufsausbildung erworben werden (die exakte Regelung kann man bei der BAuA oder beim UBA nachlesen [3]).

Für sachkundige Anwender ist der Anwendungsbereich nicht eingeschränkt: Anwendung ist sowohl im Innen- als auch im Außenbereich zulässig. Dies gilt für Rodentizide mit den Wirkstoffen Difenacoum und Difethialon bereits ab dem 01.01.2013. Für Produkte mit weiteren Antikoagulanzien der 2. Generation tritt diese Regelung schrittweise in den nächsten Jahren in Kraft. Bei der Anwendung sind die Kriterien der sogenannten “guten fachlichen Anwendung” zwingend einzuhalten.

Als gute fachliche Anwendung gilt [3]:

  • Köder dürfen nicht mehr permanent ausgelegt werden. Das permanent-Auslegen dient dem Monitoring – Der Beobachtung, ob überhaupt Schadnager im Bereich der Auslegestellen anzutreffen sind. Oder wurde angewandt, um eventueller Ansiedlung von Nagern vorzubeugen. Dies ist künftig wegen der Gefahr der Freisetzung und wegen der Gefahr der Resistenzbildung [13] nicht mehr zulässig.

  • Es ist darauf zu achten, dass Nichtzielorganismen (Hunde, Katzen, Eichhörnchen...) keinen Zugang zu den Ködern haben. Insbesondere dürfen Köder nicht ohne Köderstationen ausgelegt werden wenn der Auslegungsort auch für Nichtzielorganismen zugänglich ist.

  • Ausgelegte Köder müssen möglichst täglich kontrolliert werden. Kadaver von vergifteten Tieren müssen wenn irgend möglich entfernt werden → Botulismus-Gefahr [8,10]. Auch kann durch Einsammeln von Kadavern die Gefahr der Sekundärvergiftungen reduziert werden.

 

Zum Weiterlesen

 

Sehr empfehlenswert ist die FAQ-Seite des UBA zum Thema Rodentizide [3]. Bei der BAuA finden sich in erster Linie harte Fakten, aber eher weniger erläuternder Text [6], bei der BAuA kann man besipielsweise die einzelnen Wirkstoffeinordnungen finden [12]. Meiner Erfahrung nach reagieren sowohl UBA als auch die BAuA sehr kompetent, informativ und freundlich auf Bürgeranfragen. Auf Rattenschaden.de versuche ich laufend, aktuelle Informationen zum Thema Rattengift zur Verfügung zu stellen.

 

Fazit

 

Ein Fazit ist schwierig. Zwar finde ich es überfällig, dass das wahllose Vergiften von Ratten als Schädlinge durch ahnungslose Normalverbraucher unterbunden werden soll. Allerdings geschieht dies nur, da die Risiken der gebräuchlichen Rattengifte als zu hoch eingeschätzt werden, nicht aus prinzipiellen Erwägungen, wie Tierschutz oder Sinnhaftigkeits-Überlegungen. Man kann davon ausgehen, dass, wenn eine 'sichere' Alternative zu den heute bekannten Antikoagulantien gefunden wird, die Anwendung durch den sachunkundigen Normalbürger wieder ermöglicht werden wird. Dabei werden grundsätzliche Überlegungen nicht berücksichtigt: Welchen Sinn hat es, eine Rattenpopulation durch das Töten von Individuen bekämpfen zu wollen, solange die Ursachen des Befalls nicht abgestellt werden? Wo Ratten Nahrung finden, weil ihnen der Zugang leicht gemacht wird, wird sich eine Population ansiedeln. Wo keine Vermeidung in Form von unerreichbar gemachten Nahrungsquellen betrieben wird (verschlossene Müllaufbewahrung, keine Lebensmittel auf den Kompost oder in die Gegend werfen, Absichern möglicher Eingänge in Lebensmittellager,...), kann man eine Population immer nur für kurze Zeit schädigen. Sowie der Druck auf die Population nachlässt, werden sich die Ratten aufgrund ihrer beachtlichen Vermehrungsrate schnell wieder breit machen. Der nächste Giftangriff wird daran auch wieder nur kurzfristig etwas ändern.
Ist es generell mit dem Tiekrschutzgesetz vereinbar, wenn Wirbeltiere von Normalbürgern ohne Sachkenntnis mit grausamen Waffen wie Gift, Schlagfallen, Quetschfallen und dergleichen umgebracht werden, obwohl laut Tierschutzgesetz zum Töten eines Wirbeltieres ein Sachkundenachweis erforderlich ist? Jeder Rattenhalter, der in grösster Not (bei schwerster Verletzung bspw.) eins seiner Tiere erschlägt um Leiden von dem Tier abzuwenden, verstösst gegen das Tierschutzgesetz. Wer eine Ratte in seinem Garten mit ungleich grösserer Grausamkeit tötet, kann sich auf die Ausnahmen, die das Tierschutzgesetz zur Schädlingsbekämpfung macht, berufen – wenn er denn überhaupt darüber nachdenkt.

Die heutigen Antikoagulantien stellen als PBT bzw. PvBvT Substanzen ein erhebliches Risiko dar. Deswegen ist es dringend überfällig, dass der sachunkundige Einsatz unterbunden wird. Wenn man aber gleichzeitig liest, dass aktuell Thüringen einen ausnahmsweisen Grosseinsatz von Chlorphacinon im Freiland zur Mäuse-Bekämpfung plant (top agrar, 5.10.2012 [5]), wobei die massenhafte Sekundärvergiftung von (Greif-)Vögeln in Kauf genommen wird, dann besteht in Sachen Risikominimierung offensichtlich auch bei “sachkundigem” Personal noch deutlich Nachholbedarf.

Mit Beginn nächsten Jahres wird endlich Schluss sein mit dem Verkauf hochgiftiger, hochriskanter Rodentizide an beliebige Privatpersonen in Baumärkten, bei Amazon, bei eBay usw. usf.
Wollen wir alle hoffen, dass nicht ganz schnell ein weniger riskantes Ersatzgift zugelassen werden wird, das dann statt der aktuellen Antikoagulantien den Markt überflutet.

 

Quellen:

 

[1] Vetpharm/Clinitox: http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?clinitox/toxdb/KLT_003.htm?clinitox/klt/toxiklt.htm

[2] FAO: http://faostat.fao.org/site/424/DesktopDefault.aspx?PageID=424#ancor

[3] Umwelt Bundes Amt (UBA): http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/biozide/rodentizide-faq.htm

[4] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: http://www.baua.de/de/Chemikaliengesetz-Biozidverfahren/Biozide/Wirkstoff/Fristen.html

[5] top agrar, 5.10.2012: http://www.topagrar.com/news/Home-top-News-BVL-erlaubt-Wirkstoff-Chlorphacinon-zur-Feldmausbekaempfung-in-Thueringen-956827.html

[6] BAuA : Biozide: http://www.baua.de/de/Chemikaliengesetz-Biozidverfahren/Biozide/Zulassungsstelle-Biozide.html

[7] Rattenschaden.de: http://www.rattenschaden.de/rattengift-1/sekund%C3%A4rvergiftungen-und-vergiftung-von-nicht-zieltieren/

[8] Botulismus.org: http://www.botulismus.org/

[9] Wikipedia - Rodentizid : http://de.wikipedia.org/wiki/Rodentizid

[10] http://borna-borreliose-herpes.de/botulismus/botulismus.html

[11] Bundesinstitut für Risikobewertung über viszeralen Botulismus: http://www.bfr.bund.de/cm/343/viszeraler_botulismus_ein_neues_krankheitsbild.pdf

[12] http://www.baua.de/de/Chemikaliengesetz-Biozidverfahren/Biozide/Wirkstoff/Wirkstoffliste.html

[13] Resistenzen bei Wanderratten gegen Rodentizide, Julius Kühn-Institut (2010): http://www.jki.bund.de/fileadmin/dam_uploads/_GF/rodentizidresistenz/Resistenz%20bei%20Wanderratten%20_Rattus%20norvegicus.pdf