Letzte Aktualisierung: 25.07.2012

 

 

 

Sekundärvergiftungen und Vergiftung von Nicht-Zieltieren

Ein weiterer Aspekt beim Auslegen von Rodentiziden sind Sekundärvergiftungen bei Fressfeinden der Zieltiere. Insbesondere kleine Raubtiere und auch Greifvögel können durch Rodentizide bedroht werden, wenn sie vergiftete Nagetiere fangen:

  • Gefährden Kiffer kalifornische Fischermarder?

    Update (25.07.2012): Jetzt ist auch die SZ auf das Problem aufmerksam geworden, dass kalifornische Kiffer mit Rattengift ihre Hanfplantagen schützen und dadurch Fischmarder gefährden. Man kann das natürlich so oder so lesen: Wäre es nicht Hanf, sondern bspw. Mais oder Weizen, dann würde es sich immer noch um Rattengift handeln. Und die Fischmarder würden nicht dem illegalen Drogenanbau sondern dem legalen Getreide-Anbau zum Opfer fallen. Rattengift ist einfach ein hochproblematischer Stoff, der nicht in die Landschaft gehört. Man kann sich darüber streiten, ob Rattengift nötig ist, um damit Gebäude rattenfrei zu halten, z.B. in der Lebensmittelproduktion und -lagerung. Worüber man nicht streiten kann ist, dass Rattengift nicht im Freiland eingesetzt werden sollte und bspw. in Deutschland und der EU auch genaugenommen gar nicht eingesetzt werden darf. Wie in jedem EU Land, so auch in Deutschland gibt es die nationalen Umsetzungen der EU Biozidrichtline und der Pestizidrichtlinie. Dabei gilt die Biozid-Richtlinie für Wirkstoffe und Produkte zur Schädlingsbekämpfung, sofern sie nicht freigesetzt werden, d.h. für die Verwendung in Gebäuden. Wenn Biozid-Produkte draussen verwendet (und entsprechend evtl. freigesetzt_ werden, dann fallen sie unter die schärfere Pestizid-Verordnung. Die Freisetzung von Antikoagulantien ist also verboten. Ab wann man von einer Freisetzung auszugehen hat, ist umstritten - in Ködern ist der Wirkstoff in der Regel (z.B. durch Wachs) gebunden, damit er aber ein Tier vergiften kann, muss der Wirkstoff im Organismus freigesetzt werden. Wird der Kadaver nicht entfernt, sondern bspw. von Aasfressern verzehrt, oder das vergiftete Tier von einem kleinen 'Raub'-tier wie einem Marder gefangen, so liegt eine Freisetzung in die Umwelt vor, die im strengen Sinn nicht von der Biozid-Verordnung abgedeckt ist....

  • In seiner Ph.D. Thesis (Doktorarbeit) "Rats in an Agricultural Landscape: Population Size, Movement and Control" schreibt Malcolm Brown: "... Although anticoagulant rodenticides are generally effective in controlling rat populations, except where resistance has built up, I do not think it can be said that they are humane. They probably cause some animals considerable pain over an extended period of time if there is bleeding into the joints and, along with alterations in behaviour, they place predators and scavengers at risk of secondary poisoning." (freie Übersetzung des kompletten Abschnitts)

  • Julius Kühn-Institut: Forschungsprojekt “Rodentizidrückstände in Nicht-Zielarten”
  • NABU: Giftköder gefährden Vögel und andere Wildtiere
  • NABU: NABU kritisiert Antrag des Umweltministeriums zum breitflächiges Streuen vom Mäusegift
  • Rattengift und Igel (Schleswig Holstein)

  • AG Eulen: Untersuchung zur Todesursache von Eulen
    " In den beiden Untersuchungsperioden wurden in 42 % bzw. 60 % aller Leberproben der drei Arten Rückstände von Difenacoum und Bromadiolon und weiteren Antigerinnungsmitteln der so genannten zweiten Generation gefunden. Einige der gefundenen Schleiereulen und Turmfalken wiesen so hohe Werte dieser Wirkstoffe auf, dass diese Giftmengen potenziell tödlich gewesen sein könnten. Hier sei angemerkt, dass die meisten der an das Zentrum in Monks Wood von der allgemeinen Öffentlichkeit abgegebenen Greifvögel und Eulen als Verkehrsopfer gefunden wurden. Durch diese Rodentizide getötete Greifvögel oder Eulen sind hierbei wahrscheinlich unterrepräsentiert, weil sie eher an Stellen verenden dürften, an denen sie nicht so leicht gefunden werden wie Verkehrsopfer. "
    (...)
    "Das umfangreiche niedersächsische Untersuchungsprogramm an der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde sogar vor einiger Zeit eingestellt. Gerade für Eulen scheinen die Rodentizide mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen weiterhin ein ernstes Problem darzustellen. Einem großen Forschungsbedarf dazu wird aber bisher meines Wissens in Deutschland nicht Rechnung getragen."
  • Eichhoernchen und Gifte

  • Mittlerweile ist aus dem Warnen vor Giftködern sogar ein Geschäftsmodell geworden: Giftköder-Radar

  • Die Hunde- und Katzenhalterforen sind voll von Berichten über Hunde und Katzen, die sich mit Rattengift vergiftet haben, ob nun versehentlich (das heisst durch fahrlässig oder zumindest nichtfachmännisch ausgelegte Köder) oder durch gezielten Anschlag.

  • Auch für Pferde, Rinder und Schweine ist Rattengift gefährlich, entweder bei direkter Aufnahme oder wenn vergiftete Ratten im Heu oder Silo verenden. Dann besteht die Gefahr von Botulismus. Als Ursache für das Auftreten von Botulismus bei Rindern und Pferden wird bspw. auf dieser Seite durch Kadaver verunreinigtes Heu oder Silage genannt.
    Es wird zwischen klassischem Botulismus (das Gift wird über das Futter aufgenommen) und viszeralem Botulismus (das Botulinium entsteht im Magen Darm Trakt) unterschieden (vergl. hier).
    Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2004 zu der Problematik viszeraler Botulismus Stellung genommen. Neben Geflügelkadavern werden immer wieder Kadaver von Kleinsäugetieren als mögliche Ursache genannt. Insbesondere Maissilage dürfte eine grosse Attraktivität für Ratten aufweisen (meine Ratten würden für Mais töten!!!). Auch wenn es hier nicht explizit erwähnt wird, ist es also naheliegend, dass bei Köderauslegung im Umfeld von Silos Ratten im Silo verenden.
    Eine Karte des BMELV zeigt, dass die Rinder-Botulismus Fälle insbesondere im Nordwesten Deutschlands gehäuft auftreten. Ausführliche Informationen über Botulismus finden sich bei Botulismus.org

 

 

(Wahllose) Beispiele aus der Presse