Letzte Aktualisierung: 12.05.2012

 

 

 

Die Entthronung des Königs. Die Starke frisst den Schwachen NICHT.

 

 

Der Löwe gilt als der König der Tiere. Ein Tier, das andere Tiere tötet um sie zu fressen. Das im Notfall auch Aas isst. Das im Kampf um das Überleben insbesondere die wehrlosen Alten und Schwachen 'reisst'. So ein Tier machen wir in unserer Fabelwelt zum König der Tiere. Es hätten auch andere Tiere zur Auswahl gestanden: Der Elephant beispielsweise. Der Elephant ist das grösste Landlebewesen und an Kraft kaum durch ein anderes Tier zu überbieten. Alte Kühe leiten das Rudel an und eine normale Elephantenherde ist eine matriarchalisch geführte Gruppe, die ihr Überleben der Kooperation von Individuen verdankt. Und Elephanten sind Pflanzenfresser. Stärke und Kraft verkörpern Elephanten wie kaum ein anderes Tier. Stärke, Kraft und Eleganz anderer Tiere nehmen wir oft nur als Stärke, Kraft und Eleganz einer ganzen Gruppe wahr. Fische, Vögel, Elephanten, Ratten, Rehe, aber auch Termiten und Ameisen sind Beispiele, bei denen wir weniger das Individuum und mehr das Kollektiv wahrnehmen. Der Einzige zählt nicht so viel, die Gruppe – das soziale Miteinander – bestimmt das Geschehen.

Ist ein vegetarischer Herrscher denkbar? Können wir uns eine Herrschaft vorstellen, die ihre Stärke und Macht aus dem Verzicht auf die Möglichkeit der Gewaltausübung zieht? Eine Herrschaft der Güte, der gemeinsamen Entscheidung, auf Gewalt zu verzichten.

Es ist bezeichnend für die Kulturgeschichte des Menschen, sich den Löwen zum König der Tiere erkoren zu haben. Herrschaft wird mit Terrorherrschaft, mit Töten und mit Fressen assoziiert, nicht mit Güte, Weisheit und Kooperation. Es gibt im Tierreich so viele Beispiele tierischen Verhaltens, die trefflich mit menschlichem Verhalten zu vergleichen sind: Fisch- und Vogelschwärme oder Ameisen beispielsweise. Aber auch die grossen gemischten Gruppen aus Gnus und Zebras und vielen Antilopenarten, die – sich gemeinsam Schutz durch Masse gebend – ihre Wanderung durch gefährliche Gebiete machen, auf der Suche nach Futter und Wasser. Aber nein, der Mensch sucht sich den Löwen als Symbol der Herrschaft aus. Ein Tier, dass selbst in seiner Gruppe eine Hierarchie und Fressfolge durch Kampf festlegt, von dem Kindstötungen bekannt sind. Das auf das Töten und Fressen wehrloser alter, kranker und frisch geborener Tiere angewisen ist. Ich habe nichts gegen Löwen - sie sind herrliche Tiere, deren Lebensraum bedroht ist – aber als positives Symbol der Herrschaft sollten sie ausgedient haben. Der Löwe ist ein Symbol der Unrechtsherrschaft, des Terrors der Herrschenden gegen ihre Untergebenen. In Zeiten, als die Bevölkerung ihre Angst vor dem Terror der Mächtigen noch als Loyalität und Ehrerbietung missverstehen sollten, wurde der Löwe als Ebenbild der Könige im Tierreich aufgebaut. So wie diese Zeiten hoffentlich vorbei sein sollten, so sollte auch der 'König der Tiere' entthront werden.

Stellen wir uns ein Festmahl vor, ein Fest, das für alle Freude machen soll. Auf dem Festtisch werden nur pflanzliche Speisen dargeboten – denn es soll ein Fest für ALLE sein, an dem nicht ein Teil der Gesellschaft als Essen teilnehmen soll. Der Ältestenrat der Elephantinnen eröffnet das Buffet....